Klinik für Kinderchirurgie


Klinik für Kinderchirurgie
Wir, das Team der Kinder- und Jugendchirurgie, kümmern uns um Ihr erkranktes oder verletztes Kind im Alter von 0 bis 15 Jahren. Anders als in der Erwachsenenmedizin gibt es keine Beschränkung auf einzelne Organsysteme. Auch das Thema „Wachstum“ muss als eine Art vierte Dimension bei der Behandlung berücksichtigt werden.
Chefärztin

Angeborene Verschlüsse
Verschluß der Speisröhre, Darm oder After.
Einführung
Angeborene Verschlüsse entstehen entweder durch teilweise Nichtanlage von Teilen des Verdauungstraktes oder durch Membranen, die die Öffnungen des Magen-Darm-Traktes verschließen. Sie können aber auch durch während der Schwangerschaft stattgehabte Darmverdrehungen mit anschließender Minderdurchblutung und Untergang von Darmanteilen hervorgerufen werden. Sie treten häufig im Bereich der Speiseröhre, am Magenausgang oder dem Zwölffingerdarm sowie an der Mündungsstelle des Darmes am After auf. Teilweise verbleiben dünne Öffnungen, die, wenn sie schlauchartig lang sind, auch Fisteln genannt werden. Fehlbildungen des Magen-Darm-Traktes können als isolierte Erkrankungen oder aber auch in Kombination mit weiteren Fehlbildungen, hier insbesondere im Bereich des Herzens, der Wirbelsäule oder aber der Gliedmaßen, vorkommen.
Symptome
- Fehlende Öffnung des Afters
- Atypischer Stuhlgang
- Fistel
- Husten
- Speicheln
- Herzfehler
Therapie
Häufig werden Kinder mit angeborenen Verschlüssen des Magen-Darm-Traktes bereits in den ersten Lebensstunden oder –tagen auffällig und müssen dann auch häufig zeitnah operiert werden. Je nach Komplexität der Fehlbildung werden zuerst die lebenswichtigen Körperfunktionen sichergestellt und dann die Missbildung korrigiert. Bei Speiseröhrenverschlüssen bedeutet dies, dass die meist vorhandene Fistel zu den Atemwegen geschlossen wird damit kein Speisebrei in die Lunge gelangt und die Speiseröhre rekonstruiert wird . Je nach Ausprägung des Verschlusses werden die beiden „blinden“ Ansätze der Speiseröhre so in die Länge gedehnt, dass sie miteinander verbunden werden können. Selten ist der fehlentwickelte Bereich so groß, dass Magen oder Darmanteile als Ersatzsubstanz verwendet werden müssen. Je nach Schwere der Erkrankung und Geburtsalter des Kindes kann der stationäre Aufenthalt von 14 Tagen bis zu 12 Wochen andauern.
Beim Analverschluss kann in einigen Fällen ein künstlicher Darmausgang erforderlich sein. So kann der Stuhlgang des Kindes über diesen Umweg vorerst erfolgen. Bei der Rekonstruktion des natürlichen Afters wird das Gewebe vom Po ausgehend im Mittelpunkt des Schließmuskelapparates bis zum Darm durchtrennt und der zunächst nach unten verschlossene Darm in diese Öffnung gelegt, eröffnet und mit der Haut vernäht. Eine gelegentlich nach der Operation auftretende Enge im Bereich des neu gebildeten Enddarmes wird durch Dehnungen in Narkose therapiert. Meist ist mit dem Erlernen einer Stuhlkontrolle zu rechnen. Häufiger kommt es zu einer Verstopfungsneigung nach der Operation, welche aber durch entsprechende Ernährung, Medikamente oder eventuell auch Einläufe überwunden werden kann.
Zu den weiteren Therapieoptionen gehören Physiotherapie (Beckenbodentraining), Ernährungsberatung, Medikamente, Stuhltraining und systematische Darmspülungen. Wenn ein künstlicher Darmausgang gelegt wurde, kann dieser, nachdem die Passage von Darminhalt über den operierten Bereich möglich ist, zurückverlagert werden. Dafür ist ein erneuter stationärer Aufenthalt notwendig. Die Dauer des stationären Aufenthaltes beträgt in der Regel mindestens eine Woche. Bei einer weiteren häufig in den ersten Lebenswochen auftretenden Enge im Bereich des Magenausgangs, dem sogenannten Pförtnerkrampf, liegt eine Verdickung der Muskulatur dieses Auslassmuskels zugrunde. Die operative Korrektur ist meist komplikationslos, so dass die Kinder schon nach wenigen Tagen wieder entlassen werden können.
Nachbehandlung
Damit das Kind im weiteren Leben keine Probleme mit Stuhlinkontinenz oder Verstopfung bekommt, müssen die Eltern unbedingt auf die Ernährung und auf täglichen Stuhlgang in ausreichender Menge achten. Bei Problemen sollte nach Rücksprache mit dem Kinderarzt eine Diät oder andere Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Mit einer regelmäßigen und umfassenden Nachsorge ist später die bewusste Kontrolle des Stuhlganges fast immer erreichbar.